Advent in der Pfarreiengemeinschaft Langenfeld – eine besondere Zeit

Gedanken zur Wahl des Pfarrgemeinderats der neuen Pfarrei St. Jodokus

Liebe Mitchristen in den Pfarreien Baar-Wanderath, Kirchwald und Langenfeld, 

mit dem ersten Advent beginnt die Zeit der Erwartung. Wir wissen aber, was kommt: Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu, das Fest mit der Familie. Aber es gibt auch den noch größeren Advent – das Warten auf die zweite Ankunft Christi – wenn er wiederkommt zum Ende der Zeiten. Deshalb hören wir in der Hl. Messe zum 1. Advent einen fast schon martialisch klingenden Text vom Jüngsten Tag, vom Kommen des Menschensohns. 

Insgeheim hoffen wir natürlich, dass es bis dahin, bis zum Ende der Welt, noch dauert. So ist die Zeit bis dahin doch die spannendste Zeit, nämlich die Lebenszeit, die uns noch verbleibt. Und diese Zeit will gut gestaltet werden. 

Ich will heute nicht mit Ihnen meine Gedanken über unser ganzes zukünftiges Leben teilen, sondern einen besonderen Ausschnitt in den Blick nehmen: Wie lebe ich als Christ in meiner Gemeinde in den nächsten Jahren?

Während viele mit Sorgen und Verlustängsten in die Zukunft schauen und ja nicht Unrecht haben: Ja, wir werden immer weniger. Viele treten aus. Viele sehen nicht mehr den Sinn in dieser Kirche. Kirche macht vieles falsch… Während viele also berechtigte Sorgen haben, habe ich Zuversicht.

Ja, kirchliches Leben wird sich verändern. Aber „anders werden“ muss nicht „schlechter werden“ bedeuten!! Was verändert sich?

1. Es gibt eine neue Pfarrei „St. Jodokus“,

die am 1. Januar 2022 von Bischof Stephan errichtet wird und aus den bisherigen Pfarreien Kirchwald, Langenfeld und Wanderath besteht. In der Wirtschaft fusionieren Firmen oder Banken, um vorhandene Kräfte gemeinsam besser nutzen zu können, um sogenannte „Synergieeffekte“ zu haben, also Aufgaben gemeinsam besser bewältigen zu können. Manchmal gibt es Fusionen, weil ein Partner auf Dauer allein nicht mehr zurechtkommen wird. Bei uns treffen alle diese Motivationen zu. Natürlich hoffen wir am stärksten darauf, unsere Kräfte bündeln zu können um mit neuem Elan Kirche zu leben. 

In der Wirtschaft wird dann direkt gefragt, was heißt das für die Arbeitsplätze und für den Service vor Ort? Ganz schnell ist man bei Verlustängsten und Sorgen. Damit uns das nicht passiert, müssen wir

2. Pfarrei neu denken lernen.

Kirche wird Kirche vor Ort bleiben – und hoffentlich noch mehr werden. Kirchen werden nicht geschlossen. Wir feiern weiter im bekannten Rhythmus die Sonntags- und Feiertagsgottesdienste und Wort-Gottes-Feiern in den bisherigen Pfarrkirchen. Wir werden ab 2022 sogar wieder in den Kapellen in den kleineren Dörfern an Werktagen Heilige Messen feiern und hoffentlich diese Kapellen noch mehr zu Orten des Gebets machen. Wie lebendig Kirche vor Ort sein wird, hängt natürlich entscheidend von den Menschen, von Ihnen ab!

Wir nehmen uns als Kirche neu wahr in kleinen Gruppen vor Ort oder über den Ort hinaus, die klar umrissene Aufgaben haben oder bestimmte Ziele gemeinsam verfolgen. Diese kleinen Gruppen nennen wir „Orte von Kirche“, weil sie Kirche im Kleinen sind, die auch dann (und vielleicht besonders dann!) lebendig sind, wenn nicht der Pastor oder ein Diakon alles regelt und macht. Wir haben schon viele solche lebendigen Gruppen und wollen diese in ihrem Selbstbewusstsein stärken und in ihrer Arbeit begleiten und ermutigen. Viele solcher Teams können und sollen sich noch finden und neu bilden. Ich denke beispielhaft an:

  • kleine Gruppen, die in einer Kapelle oder Kirche Andachten gestalten, Rosenkranz oder Kreuzweg vorbeten;
  • ein Team, das eine Kinderkrippenfeier vorbereitet und gestaltet;
  • eine Gruppe, die in einem begrenzten Bereich die Sternsingeraktion organisiert und die Kinder motiviert und begleitet;
  • eine Frauengemeinschaft, die sich als eigene Gruppe in der Pfarrei versteht und ihr Leben gut miteinander gestaltet;
  • die Kirchenchöre, die Orte von Kirche sind;
  • eine kleine Gruppe von jüngeren Frauen, die in Kirchwald etwas für Kinder und Jugendliche im Sinn von ganz offener und nicht nur kirchlicher Arbeit anbieten wollen;
  • die Gruppe in Langenfeld, deren Herz daran hängt, wenn Corona es wieder zulässt, Döppekoche für die Dorfgemeinschaft anzubieten;
  • eine Gruppe, die sich um die Kirchen und Kapellen kümmert, wenn kleinere Reparaturen anstehen;
  • die Lektorinnen und Lektoren, Kommunionhelferinnen und -helfer;
  • die Messdienergemeinschaften;
  • Teams, die die Krippen aufbauen;
  • die Leiterinnen und Leiter von Wort-Gottes-Feiern;
  • die Organisationstalente, die vor Ort ein Pfarrfest organisieren und gestalten können;
  • – „neue Leute“ mit neuen, vielleicht auf den ersten Blick „verrückten“ Ideen – 
    z.B. Sonntagsgedanken für Joggerinnen und Jogger oder für Leute, die mit ihrem Hund Gassi gehen als Podcast entwickeln oder
    – Menschen, die herausfinden wollen, was gestresste Berufstätige als Kraft und Impuls aus dem Evangelium entdecken könnten oder
    – engagierte Christen, die neue Gottesdienstformen (er-)finden, in denen die Botschaft Jesu auf andere Weise in die Herzen von Menschen gesagt werden kann oder
    – ein Team, dass über die Orte hinweg einen „lebendigen Adventskalender“ organisiert, in dem Familien oder Gruppen jeweils an einem Abend an ihr Haus zum Gebet einladen…

Wenn ich eine solche Liste sehe, in der sicher noch viele bereits bestehende Gruppen fehlen – liebe Leute, dann sind wir doch lebendige Kirche!! Und in der gilt:

3. Der neue Pfarrgemeinderat hat eine neue Aufgabe

Der PGR der fusionierten Pfarrei St. Jodokus muss NICHT alles allein machen und für alles verantwortlich sein. Er muss auch NICHT Dinge am Laufen halten, die einfach nicht mehr laufen wollen. Manches Engagement hat auch seine Zeit und ggf. seine Zeit gehabt. In der Zeit war es gut und wertvoll und so darf man es mit Dankbarkeit auch ruhen lassen. 

Vielmehr wird die Herausforderung darin bestehen, die oben genannten Gruppen zu sehen und wertzuschätzen. Diese Gruppen wollen inspiriert und begleitet werden. Der PGR kann sie ggf. aufeinander hinweisen, damit sie sich bei ähnlicher Aufgabe miteinander austauschen und befruchten können. Menschen, die im neuen Pfarrgemeinderat mitarbeiten wollen, können mit ihren eigenen Erfahrungen die Kirche vor Ort mitgestalten und dabei Schwerpunkte setzen. 

Und vielleicht lernen wir alle miteinander wieder neu und verstärkt wahrzunehmen, welche Türen Gott uns öffnet, auf welche Wege ER uns führen will und welche Herzen ER schon lange gewonnen hat, wir in der Pfarrei es aber noch gar nicht bemerkt haben…

Neu soll werden, dass wir uns – im Blick auf die Pfarrgemeinderatsmitglieder, aber auch auf alle, die in den „Orten von Kirche“ mitarbeiten – in Zukunft damit begnügen, den kleinen Finger zu nehmen und nicht gleich die ganze Hand. 

Diese „gute neue Welt“ wird nicht von heute auf morgen entstehen. Deshalb müssen wir ehrlich bleiben und bekennen: auf den neuen Pfarrgemeinderat kommt tatsächlich Arbeit zu: Es sollen Menschen gesucht werden, die mitarbeiten. Mitchristen wollen ermutigt werden, ihre Begabungen (Charismen) einzubringen. Es muss gut miteinander besprochen werden, wer was tut und was auch nicht…

4. Dafür braucht es Frauen und Männer, die mitmachen wollen.

Deshalb suchen wir in den kommenden Wochen in der Pfarreiengemeinschaft Langenfeld Kandidatinnen und Kandidaten, die bereit sind, sich am 29./30. Januar 2022 zur Wahl zu stellen. In Vielen wird nun sofort der Reflex kommen: „Ich doch nicht!“ – Einverstanden. Aber wer dann?

Wer hat die Begabungen, um im o.g. Sinn in einem neuen Pfarrgemeinderat mitzuarbeiten? Wer hat Freude daran, auf Menschen zuzugehen? Wer will gemeinsam mit den Menschen vor Ort etwas bewegen? Wer behält den Überblick über das Gemeindeleben in den kleinen Gruppen und über die Ortsgrenzen hinweg?

Wir brauchen nicht die perfekten Superhelden und Heiligen. Aber es braucht Frauen und Männer, die es miteinander wagen wollen, Gemeinde Jesu neu zu gestalten. 

Bitte überlegen Sie. Wer könnte Mitglied im neuen PGR werden?

Fragen Sie bitte in Ihren Familien und in den Freundeskreisen. 

Denken Sie auch gerne einmal „um die Ecke“, d.h. wen könnte man fragen oder vorschlagen? … und dann tun Sie es.

Die Wahl zum neuen Pfarrgemeinderat St. Jodokus findet in drei Wahlbezirken statt, die den bisherigen Pfarreien entsprechen. In jedem Bezirk werden am 29./30. Januar 2022 bis zu 4 Mitglieder in den Pfarrgemeinderat gewählt. 

Deshalb braucht es in jedem Pfarrbezirk, also jeder jetzigen Pfarrei, mindestens fünf Kandidatinnen oder Kandidaten, damit eine Listenwahl stattfinden kann. 

Bitte schlagen Sie Menschen aus Ihrem Wahlbezirk zur Wahl in den Pfarrgemeinderat vor. Wahlvorschläge können vom 04. bis 26. Dezember abgegeben werden. Formulare dafür finden Sie in der Auslage unserer Pfarrkirchen. Dort stehen Sammelboxen im Eingangsbereich bereit. Die Vorschläge können aber auch formlos oder per E-Mail an das Pfarrbüro oder an jemanden aus dem Seelsorgeteam gesandt werden. 

Wie lebe ich als Christ in meiner Gemeinde in den nächsten Jahren? 

Bitte gestalten Sie Ihre Gemeinde aktiv mit, indem wir einen guten neuen Pfarrgemeinderat wählen.

Vor Ort stehen für Ihre Rückfragen gerne die Mitglieder des Wahlausschusses zur Verfügung:

in Langenfeld Herr Dirk Büser,
in Kirchwald Frau Gabriele Hilger und
in Wanderath Herr Walter Hennrichs und Herr Bernd Heimermann, der die Gesamtverantwortung für die Wahl übernommen hat. 

Dankbar und in adventlicher Hoffnung grüße ich Sie und wünsche Ihnen und Ihren Familien einen gesegneten Advent.

Stellvertretend für das ganze Seelsorgeteam,

Ihr Pastor Jörg Schuh.