Fluthilfe 2021

Auch in der „zweiten Reihe“ war Hilfe und Unterstützung wichtig und von Nöten

Die Ereignisse, die in der Flutnacht über die betroffenen Regionen hereinbrachen, bestimmten lange Zeit die Meldungen in der Presse, Funk und Fernsehen. Dabei war der Fokus natürlich auf die Bilder gerichtet, die unmittelbar die Katastrophenregion vor Ort betrafen. Weit weniger Aufmerksamkeit erhielt der Bedarf an Hilfe, der etwas abseits des Geschehens, aber nicht weniger notwendig war.

So „strandeten“ mehr als 50 Menschen, die in der Katastrophe ihre Unterkunft und Hab und Gut verloren hatten, im „innogy Hotel- und Kongresszentrum“ in Wanderath, das im Rahmen der Notunterbringung seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte. Unter der Führung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), mit Hilfestellung durch die Notfallseelsorge, wurde eine erste Unterstützung für die Betroffenen eingerichtet. In erster Linie lag diese schwere Aufgabe zunächst aber überwiegend auf den Schultern des Personals dieses Hauses, das sich in diesen ersten Tagen fast bis an die Belastungsgrenze in beispielhafter und fürsorglicher Arbeit den neuen Bewohnern mit all ihren Sorgen widmete.

Durch einen Anruf der Notfallseelsorge bei mir wurden wir als örtliches Seelsorgeteam auf diese Situation aufmerksam und um Hilfe und Unterstützung gebeten. Diesem Anliegen kamen wir nach Bekanntwerden auch unverzüglich nach, ein noch am gleichen Tag erfolgter Besuch und mehrere Telefonate mit einem Vertreter der Notfallseelsorge vor Ort brachten erste Erkenntnisse, wie sich die Hilfe gestalten sollte.

Ein von mir formulierter Aufruf mit der Bitte um Hilfe und Unterstützung wurde am gleichen Tag noch per E-Mail an die Vorsitzenden der Räte unserer Pfarreiengemeinschaft zugesandt. Bei insgesamt 12 weiteren Menschen fiel der Aufruf auf fruchtbaren Boden und so konnte sehr schnell mit diesem Team nicht nur praktische, sondern auch seelsorgliche Hilfe geleistet werden. Durch diesen Einsatz konnte auch das Hauspersonal des Hotel- und Kongresszentrums deutlich entlastet werden, es stand aber dennoch auch weiterhin mit viel Einsatz und persönlichem Engagement hilfreich zur Seite.

Während die meisten der Untergebrachten sich während des Tages zurück in das Ahrtal zu Aufräumarbeiten aufmachten, blieben besonders die Senioren unter ihnen, und auch die Menschen mit Einschränkungen ihrer physischen Mobilität, mit ihren Sorgen und Nöten im Haus zurück. Diesen galt es besonders zur Seite zu stehen, für sie da zu sein, ihnen zuzuhören, sie zu unterstützen, wo es möglich war.

Nach wenigen Tagen zogen sich dann DRK und Notfallseelsorge aus der Betreuung zurück.

Dank der großen Hilfsbereitschaft des Teams, das sich für diese Aufgabe nach meinem Aufruf zusammengefunden hat, wurden zahlreiche Aktivitäten organisiert. So wurden vereinzelt Ausflugsfahrten nach Mayen durchgeführt und zum Kaffeetrinken eingeladen. Es wurden Spaziergänge gemacht, viele Gespräche geführt, die in ihren Erlebnisberichten zum Teil auch für die Helfer nicht einfach zu verkraften waren.

Es wurde ein Fahrdienst eingerichtet, der es den Menschen ermöglichte, an den Gottesdiensten der Pfarrei teilzunehmen, was gut und gerne in Anspruch genommen wurde, Einzelfahrten wurden mittels des sogenannten „Flutbusses“, den unter anderem mit Hilfe des SV Herresbach eingeichtet und betrieben wurde, organisiert.

So konnte in einer Art Betreuungsprogramm der Kirchenchor „St. Cäcilia“ Wanderath für einen Liederabend im Kongresszentrum gewonnen werden und auch der Musikverein „St.Valerius“ Wanderath verlegte einen Probenabend in die dortigen Räumlichkeiten und bereitete den Menschen so einen mit großer Dankbarkeit angenommen musikalischen Abend.

Am wichtigsten aber blieb die Betreuung der einzelnen Menschen, die dort im Rahmen der Notunterbringung eine zeitlich begrenzte Unterbringung in Anspruch nahmen. Wie zeitlich begrenzt diese Unterbringung war zeigte der Besuch eines Vertreters der Kreisverwaltung Ahrweiler, der einzige dieser Art, der den Bewohnern gegenüber dieses deutlich und unmissverständlich zum Ausdruck brachte. Jedoch mit der Unterstützung durch die Kreisverwaltung Mayen – Koblenz, die hier Hilfestellung leistete und durch deren Vertreter, Herr Markus Eiden, konnten am Ende und vor allem zeitgerecht alle Bewohner einer Unterbringung zugeführt werden, die für die Betroffenen das Damoklesschwert der Obdachlosigkeit zunichtemachte und sie sich eine sichere Ausgangsbasis für ihre weitere Zukunft schaffen konnten – ein Erfolg, der nur durch das große Engagement und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten erreicht werden konnte.

Durch die Helfer wurde wirklich über alle Maßen hinaus und bis an die Grenzen des Belastbaren nicht nur viel Zeit geopfert, es war auch viel Geduld und in einigen Fällen auch große Nervenstärke gefragt. Und das dieses neben all den Aufgaben geschah, die sonst im Alltag zu bewältigen waren, muss an dieser Stelle nicht extra erwähnt werden. Wenn ich alles, was an guten Werken geschehen ist aufzeigen sollte, dann wäre das viel zu umfangreich und würde den Rahmen sprengen. Nur eines sei noch erwähnt, dass durch gute Verbindungen zu einem Sportverein, der als das American Football Team „Mosel Valley Tigers“ in Leienkaul beheimatet ist, ein nicht unerheblicher Geldbetrag aus einer Spendenaktion dieses Vereins generiert werden konnte. Damit konnte auch aus diesem Kreis der Betroffenen der Weg in die Zukunft nach der Katastrophe finanziell ein wenig geebnet werden. Den „Tigers“ dafür meinen allerherzlichsten Dank!

Ich persönlich möchte mich wirklich bei all denen von Herzen bedanken, die hier in dieser Situation geholfen haben. Mit ihrem Tun haben sie ein wahrhaftiges Beispiel diakonischen Wirkens und Handelns gegeben. Diese Hilfe war und ist ein tätiger Akt christlicher Nächstenliebe, beispielgebend für Alle, auch wenn sie nicht im Fokus der Öffentlichkeit stand und eher im Stillen vollzogen wurde. Ihnen Allen

  • dem Personal des Hotel- und Kongresszentrums Wanderath
  • den Mitgliedern des Musikvereins „St. Valerius“
  • den Mitgliedern des Kirchenchores „St. Cäcilia“
  • der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz, in persona Herrn Markus Eiden,
  • dem ganzen Kreis der Helferinnen und Helfer während des Zeitraums der Hilfeleistung
  • dem Team der „Mosel Valley Tigers“ für ihre Hilfe
  • allen, die direkt und indirekt maßgeblich unterstützt haben, dazu zähle ich auch den Kreis der Wanderather Frauen, die einen „Wäschedienst“ für die Gestrandeten ins Leben gerufen haben. Auch ihre wertvollen Dienste vollzogen sich im Stillen, das ist aber dennoch sehr dankbar wahrgenommen und auch so empfunden worden,

ein großes

„Danke!“

Ihr Diakon
Hans Georg Bach

Bild: Diakon Bach mit einem Teil des Helferteams, Herrn Kock als Vertreter der Kreisverwaltung Mayen – Koblenz, Mitarbeiterinnen des Hauses in Vertretung für das Personal und Abordnungen der Unterstützer, hier Musikverein „St. Valerius“ Baar, Kirchenchor „St. Cäcilia“ Wanderath und der „Mosel Valley Tigers“ aus Leienkaul