Kirche St. Dionysius

Über die Frühgeschichte unserer Pfarrkirche als auch der Pfarrei ist nur wenig bekannt. Zunächst jedoch soll darauf hingewiesen werden dass die heutige Pfarrei Kirchwald aus der Fusion der Gemeinden Kirchesch und Waldesch zur Gemeinde Kirchwald im Zuge der Verwaltungsreform am 8. Juni 1969 entstanden ist. Der Umstand, dass Kirchesch und verschiedene andere Gemeinden und Pfarreien der Umgebung, z. B. Kaisersesch, früher ebenfalls als „Esch“ bezeichnet wurde, haben die Nachforschungen keineswegs erleichtert. So musste streng darauf geachtet werden, die Pfarrei Kirchesch, hier „Esch“ genannt, nicht mit einer anderen Pfarrei gleichen Namens zu verwechseln. Im Zweifelsfalle wurden jeweils die Klöster Maria Laach und Kloster Steinfeld um Unterstützung gebeten. In einer Besitzbestätigung des Klosters Steinfeld von „1136 Dezember 10 Pisa“ wird die Pfarrei Kirchesch mit folgendem Wortlaut erwähnt „… in Esch 6 Höfe mit ihrem Zehnten… „
Quelle: Steinfelder Urkundenbuch, Seite 8 bis 10, bearbeitet von Dr. Ingrid Joester, Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 60, 1976.

Die Pfarrei Kirchesch findet im Zusammenhang mit dem Kloster Steinfeld eine weitere Erwähnung. In „Geschichte der Dekanate Mayen und Burgbrohl“ von Peter Schug, Trier 1961 VI Band, Seite 180 heißt es „…in der oft genannten Abrechnung des Dekans von St.Florin-Koblenz am 29.1.1330 nennt er die Kirche in Esch, die zu einer Steuer von 2 Pfund, 14 Schilling veranschlagt war. Ein erster Beweis, dass K. (Kirchesch) im Anfang des 14. Jh. selbständige Pfarrei war. Um diese Zeit gehörte K. noch zur Abtei Steinfeld, das jedoch wohl in Geldnöten unseren Ort an die Grafen von Eltz veräußerte. Diese Abtei gab sicherlich unserer Kirche den Patron ab, da im Kirchescher Weistum von 1549 die hl. Dionysius und Potentinus als Grundherren und Patrone erscheinen…“

Ab wann die Pfarrei Kirchesch Eigentum des Klosters Steinfeld gewesen ist, kann hier nicht nachgewiesen werden, wann sie verkauft wurde, schon, und zwar mit folgendem Wortlaut. „… Noch einen besonderen und vollständigen Beweiß, dass besagtes Dorf Kirchesch ein privates Eigentum der hochgräflichen von Eltzischen Familie seye, mache die gewißheit, dass solches ehemalen der Abtei Steinfeld zugehörig und der abteylich Steinfeldischen Kellnerey Wehr einverleibt gewesen, von H. Abten Conrado aber um das Jahr 1366 verkauft worden seye, wie solches die Anlage Sub Nr.3, welche eigenhändiger Auszug des jetzigen H. Prälaten Clasen ist, das mehreren besaget…“
Quelle: Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 10, Nr. 4423

(Um die Angaben über die Abtei Steinfeld nicht zu unterbrechen, wurde die chronologische Reihenfolge unterbrochen. )

Eine weitere Bestätigung aus der Frühzeit lautet:
„KIRCHESCH, ON (May) – A: MUB II , 344 um1200 In Kirchesch … tritici…. avene, TA H VIII, 32 um 1307-54 Kirche in Esche.“
Quelle Jungandreas, Hist. Lexikon der Siedlungs- und Flurnamen des Mosellandes, Seite 206.

In einer weiteren Urkunde vom 25. Januar 1269 wird ein Priester zu Esch mit folgendem Wortlaut genannt.
„… die Brüder und Mönche der besagten Abtei zum Laach, Erwin, Priester in Esch…“.

Quelle: Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 128, Nr. 47

Mit den hier aufgeführten urkundlichen Angaben von: 1136, um 1200, 1269, 1330 und 1307- 54 soll auf die Möglichkeit hingewiesen werden, dass die Existenz einer Kirche in Kirchesch früher möglich gewesen sein dürfte, wie dies nachweisbar ist. So z.B. heißt es in „Geschichte der Dekanate Mayen und Burgbrohl“ von P. Schug, Trier 1961, Seite 9:

„Kirchesch, (St. Dionysius): Kirche 1330, Pfarrei 1330.“

An anderer Stelle heißt es:
„… Das Patrozinium meint – wie die Festfeier am 9. Oktober zeigt – den hl. Dionysius von Paris. Man wird es aber nicht in eine Reihe mit den Dionysiuspatrozinien in Andernach und Kruft stellen und damit in vorkarolingische Zeit setzen dürfen. Es scheint vielmehr auf die volkstümliche Verehrung des Heiligen als Nothelfer im Spätmittelalter hinzuweisen. Die Kirche könnte demnach auf eine Hofkapelle der Steinfelder Güter zurückzugehen…“. Quelle: Ferdinand Pauly: Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier. Das Landkapitel Kaimt-Zell, Bonn 1957, Seite 346.

Die Kirchenbauten

Mit den obigen Angaben kann die Kirche in Kirchesch als auch die Pfarrei ab dem Jahr 1330 nachgewiesen werden. Vom Kirchenbau der zweiten Kirche liegen folgen Angaben vor:

“ Laut Schreiben des Architekten Marx aus Trier ist die Kirche erbaut worden um 162o- 1630…“,
Quelle: „Geschichte der Dekanate Mayen und Burgbrohl“ von P. Schug, Trier VI Bd. Seite 181.

Ferner:
„Mit Bestimmtheit kann einstweilen das Alter derselben nicht festgestellt werden, es sei denn, dass man im Grundstein derselben eine diesbezügliche Urkunde fände.

Größe der Kirche.
Dieselbe war viel zu klein; in Lichten hatte das Schiff eine Länge von 12,30 m. 6,20 m. breit und 5,50 m. hoch. Das Chor war 5 m. im Quadrat und 4,55 m. hoch“.
Quelle: Lagerbuch der Pfarrei Kirchesch

„Über die innere Einrichtung der Kirche erfahren wir 1680, dass sie drei Altäre z.E. der hh. Johannes Bapt. und Dionysius, der hl. Anna und des hl. Antonius E. besaß. Der barocke Hochaltar aus dem 17. Jh. blieb erhalten; auf dem Altaraufsatz steht im Relief ein Bild der Anbetung der Hirten, darüber ein Relief der Himmelfahrt und Krönung Mariens; seitlich sehen wir Figuren der 1680 genannten Heiligen Johannes und Dionysius, im äußeren Abschluss Statuen der beiden Apostelfürsten. Der linke Seitenaltar trägt die Holzfigur der Gottesmutter mit dem Kind, kürzlich gut restauriert, früher ein Anna – und Marienaltar. Die Epistelseite hat einen Barbaraaltar. Erwähnenswert ist auch die St. Dionysiusfigur, Holz, 17. Jh., wie auch die übrigen Bildwerke. Vielleicht ist dieses Bild das des hl. Dionysius, das schon 1756 renoviert wurde…. Ein Taufstein war 1680 da, sollte 1884 erneuert werden; die alte Kirche war ohne Orgel, erst die neue erhielt ein kleines Werk…“. „… Der „Chor“, spätgotisch, zweijochig, gerade geschlossen, mit Kreuzgewölben von hochprofilierten Rippen teils einfachen, teils gebündelten Diensten, war 1725 erbaut worden. 1756 erhielt die Kirche ein neues Dach, das der Dachdecker Goeff aus Mayen für 17 Taler ausführte“.. 
Quelle: „Geschichte der Dekanate Mayen und Burgbrohl“ von P. Schug, Trier 1961, VI Bd. S.182/183.

1884 ging der erste Bericht nach Trier, der die Baufälligkeit der Kirche anzeigte. In einem weiteren Schreiben nach Trier wird wiederholt auf die Baufälligkeit der Kirche und die Notwendigkeit einer polizeilichen Schließung hingewiesen.

Die zwischen 1620 und 1630 erbaute Pfarrkirche in Kirchesch. Dieselbe stand in der Mitte des Friedhofes. Wo früher der Altar stand, steht heute das Kriegerehrenmal.

In der Zeit von 1884 bis zum Neubau der Kirche im Jahr 1906/07 fand ein reger Briefwechsel zwischen der Pfarrgemeinde Kirchesch und dem Bistum Trier, statt. Immer wieder wurden Eingaben gemacht, die alle auf die Notwendigkeit und den Neubau einer Kirche hinausliefen. In einer Eingabe von 1905 heißt es u.a.:

„… der Bau einer neuen Kirche ist notwendig und kann nicht aufgeschoben werden. Das alte, nicht ausreichende Kirchlein, auf einer jedem Wind und Wetter ausgesetzten Höhe gelegen, ist derart baufällig geworden, dass eine Ausbesserung unmöglich geworden ist und die polizeiliche Schließung zu befürchten steht. Die Pfarrgenossen, kleine Ackersleute mit geringem und wenig ergiebigen Grund und Boden, sind in den letzten Jahren durch Krankheit, Brand (1846 brannten 14 Wohnhäuser ab!) und Hagelschlag sehr heimgesucht worden und sind mit hohen Umlagen für Schul- und Wegebauten belastet; eine kleine Erzgrube in der Nähe ist seit zwei Jahren stillgelegt. Durch freiwillige Beträge haben sie jedoch trotz ihrer Armut und geringen Seelenzahl ungefähr die Hälfte der Bausumme aufgebracht; zur Beschaffung der noch erforderlichen 22.000 Mark reichen aber ihre Kräfte nicht aus; da muss die tätige stets bewährte Nächstenliebe hilfreich beistehen …“.
Quelle: „Geschichte der Dekanate Mayen und Burgbrohl“ von P. Schug, Trier 1961, Seite 182

„Im Mai 1912 wird das alte Kirchlein niedergelegt. Der Platz dient zur Vergrößerung des Kirchhofes. Bei Abbruch zeigte sich die große Baufälligkeit dieses alten Gebäudes; er ging ohne Unfall vonstatten. Der Abbruch erfolgte in Frondiensten. Die großen Steine fanden Verwendung für die Stützmauer an der (neuen) Kirche und für die Umfassungsmauer am neuen Pfarrhaus. Der Schutt fand Verwendung zur Ausbesserung der Gemeindewege“.
Quelle: Schulchronik Waldesch

Der Bau einer neuen Kirche in den Jahren 1906/07

Über die Bezeichnung: der Bau der neuen Kirche in Kirchesch kann man sicherlich geteilter Meinung sein, weil dieselbe mittlerweile 99 Jahre alt wird. Doch wenn man mit der Generation groß geworden ist die dieses Kirchlein noch in bester Erinnerung hat und stets von zwei Kirchen – der alten und der neuen gesprochen hat, möge man mir diese Formulierung nachsehen. Wenn unsere Vorfahren von der alten Kirche sprachen und das taten sie öfters, dann stets liebevoll und mit Respekt und man glaubte ein bisschen Wehmut herauszuhören. Bei manchen Pfarrangehörigen hatte man den Eindruck, die alte Kirche wäre ein Stück ihres Privateigentums, sie hat schließlich 280 Jahre lang ihren Ansprüchen genügt. So dürfte es verständlich sein dass ihnen der Neubau einer Kirche sehr am Herzen lag, der Abschied von der alten sie jedoch bedrückte.

Bis zur Grundsteinlegung der neuen Kirche war noch ein weiter Weg, denn die Finanzierung war nicht sichergestellt. Sie war jahrelang Gegenstand vieler Kirchenvorstandssitzungen, sowohl vor als auch nach der Bauausführung. Der im Jahr 1902 von Architekt P. Marx, Trier erstmals vorgelegte Plan wurde einmal aus Kostengründen, zum anderen als zu prachtvoll abgelehnt. Dieser Plan entsprach nicht ihren Verhältnissen, die Verantwortlichen sprachen sich für ein bescheidenes Gotteshaus aus.

Pastor Matthias Friedrich Girst, Pfarrer der Pfarrei Kirchesch, der sich mit ganzer Kraft für den Bau einer neuen Kirche einsetzte, ließ sich dadurch nicht entmutigen. Um das Vorhaben verwirklichen zu können, hatten die Pfarrangehörigen schon große Opfer gebracht. Durch freiwillige monatliche Beiträge gingen jährlich 1800 Mark ein. Pastor Girst schrieb viele Bittbriefe und die Pfarrkinder waren bereit, weitere finanzielle Opfer zu bringen. Im Jahr 1902 betrug der durch Spenden, Kollekten, Schenkungen und Sammlungen eingegangene Baufond:

15.000 Mark
im Jahr 1903: 17.000 Mark
im Jahr 1905: 24.000 Mark

Durch Frondienste sollten weitere 13.000 Mark eingespart werden. Der Rest der Bausumme sollte durch ein Darlehen finanziert werden, dessen Laufzeit 42 Jahre betrug mit 1 %Amortisation und 4 % Zinsen. Der von Peter Marx vorgelegte zweite Plan einer romanischen Kirche war mit 55.000 Mark veranschlagt. Die Wünsche und Vorstellungen von Pastor Girst waren weitgehend berücksichtigt worden. Das Gelände für den Bau der neuen Kirche „Im Ellespösch“ kaufte die kath. Pfarrgemeinde Kirchesch zum Preis von 5 Mark je Rute, (1 Rute entspricht etwa 14 qm.), von Anton Schüller, Kirchesch, Josef Schäfer, S,v. Johann, Kirchesch und Johann Becker, Kirchesch.

Nach Ausschreibung wurde die Bauausführung der Fa. Anton Dietrich, Mayen zum Angebot von 9.250 Mark übertragen, weil es das günstigste war. 

Wie es damals üblich war, halfen sich die Pfarrangehörigen benachbarter Pfarreien besonders bei Gespanndiensten gegenseitig aus. So beteiligten sich auch in Kirchesch Bürger aus Langenfeld, Rieden und Volkesfeld am Bau der Kirche. Die Fuhrleute aus Rieden und Volkesfeld brachten vor allem Sand, der in ihren Gemarkungen gewonnen wurde, zur Riedener Mühle. Von hier aus transportierten die Kirchescher und Waldescher Fuhrleute den Sand auf dem beschwerlichen Weg den Berg herauf. Die etwa 700 cbm. benötigten Bruchsteine wurden in heimischen Brüchen gebrochen.

Die Mithilfe der Pfarrangehörigen beim Bau der Kirche war folgendermaßen geregelt:
Die Leistung pro Tag beträgt:
a) Handdienste 3 Mark
b) Spanndienst mit 2 Fahrkühen oder 1 Ochse 4,5o Mark
c) desgleichen mit 2 Ochsen 6 Mark
d) desgleichen mit 1 Pferd 6 Mark

Sand und Bruchsteine wurden von den Landwirten mit Rindviehgespannen angefahren, weil diese Fahrten nicht über die Gemarkungsgrenze hinausgingen, die Pferdefuhrwerke dagegen holten die Werksteine von den Gruben in Rieden, Rodderhöfe und Weibern, sowie das Baumaterial welches in Mayen abgeholt werden musste. Als Entgelt erhielten die Fuhrleute nach jeder Fahrt ein oder zwei „Fuhrmänner“. (Bezeichnung für ein doppeltes Schnapsglas). „… Das Schiff bietet Sitzgelegenheit für 212 Personen und Raum für 108 Kinder Knieplätze, sowie ca 40 qm. Stehplatz. Die Empore ist 9,5o m. lang und 5,00 m. bis Vorderkante breit. Der Haupteingang liegt am Wege nach Waldesch, ein kleiner Eingang auf derselben Seite unter der Empore.

An der Westseite ist eine Nische für den Beichtstuhl zwischen Strebepfeilern ausgebaut.
Die Sakristei liegt an der Südseite, unter dem Thurm eine Requisitenkammer, der Sakristei gegenüber.

Angaben über die Größe der Kirche:
Gesamtlänge-Außenmaß 33,50 m
Breite 13,50 m
Turmhöhe, gemauert 19,70 m
Dachstuhl 19,70 m
28,90 m ohne Kirchenhahn
Höhe der Kirche, innen 9,60 m
Dachstuhl 5,85 m“.
Quelle: Bauerlaubnisschein, Niedermendig 9. Juli 1906, Pfarrarchiv Kirchwald

Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte am 16.09.1907 die Benediktion und am 23.06.1908 die Konsekration durch Weihbischof Karl Ernst Schrod, vorgenommen werden.

Fotos: Sylke Wintrich